Yoga|Lifestyle
Magazin für bewusste und achtsame Lebensweisheit


Auf die Plätze! Fertig! Blenden!

Autorin: Sandra Dibbern | 28.08.2021

Hallo liebe Yoginis und herzlich willkommen zurück in meinem normal bis verrückten Leben. Danke für die tollen Nachrichten, die mich immer wieder erreichen. Ihr fühlt euch von mir unterhalten, das freut mich sehr. Wisst ihr was? Ihr motiviert mich jeden Tag, meiner Leidenschaft, der Schreiberei, wieder regelmäßig nachzugehen. Außerdem bewege ich mich in neuen Gefilden und beschäftige mich endlich mehr mit mir. Das ist schon ein enormer Gewinn.

Ich versuche mich viel öfter in Meditation, gerade nach langen Flügen bzw Arbeitstagen brauche ich sehr lange, um herunterzukommen.

Ich gebe zu, das Thema: „Du musst auf Toilette und zwar sofort!", beschäftigt mich noch immer, sobald ich eine Meditation starte. Ich weiß, dass es vielen von euch so geht. Das beruhigt mich. Auch wenn die nette Meditationsstimme sagt, dass meine Füße und Zehen schwer werden. Sie werden nicht schwer, sondern jucken höchstens. Aber, Aufgeben ist keine Option! Niemals!

Genauso wie ich das Thema Hormonyoga für mich in Angriff nehmen werde. Naja, vielleicht fange ich mit den einfachen Sachen an, die meinem Körper und mir schmeicheln, neben Funktionsunterwäsche und Kompressionsstrümpfen auf meinen Flügen.

Ich möchte euch natürlich nicht blenden mit meinem Text. Meine Yogamatte hat jetzt bereits das Wohnzimmer erreicht, mehr aber (noch) nicht.Deshalb gibt es jetzt die nächste Geschichte.

Blenden ist eine super Überleitung. Seid ihr gespannt? Sitzt ihr bequem? Los gehts!

Ich kenne nur Sonnenblenden, aber das Menschen richtige Blender sein können, hatte ich damals nicht gedacht.

In der virtuellen Datingwelt ist das heutzutage keine Seltenheit. Dass ich auch mal in den Genuss eines Schaumschlägers, Sprücheklopfers, Bluffers, Wichtigtuers ( vereint in einer Person) kommen würde, hätte ich nie für möglich gehalten. Bis Felix in mein Leben trat, denn ich hatte ein Match mit dem Glücklichen. Glücklich war Felix nicht nur wegen seines Namens, sondern weil er mich getroffen hatte. So schrieb er es jedenfalls.

Das war Balsam für die Seele. Wer möchte so etwas nicht hören oder lesen?

Felix wollte auch relativ schnell mit mir telefonieren, was für mich immer ein gutes Zeichen ist, dass jemand real ist. Also ging es schnell zum ultimativen Stimmentest. Die üblichen Fragen folgten, unter anderem, was der glückliche Felix denn zum Glücklichsein auf die Beine stellt.

Seine Berufsbezeichnung war Berater. Das ist natürlich ein sehr weitläufiger Begriff. Wen er wohl beraten würde? Ich wollte auch nicht so direkt nachfragen, schaute mir immer wieder seine Bilder an. Ich muss zugeben, er war nicht unbedingt mein Typ Mann. Sein Blick erinnerte mich eher an einen Profikiller als einen Profiberater. Aber Bilder täuschen ja oftmals. Ich ermahnte mich immer wieder selbst, dieses Schubladendenken endlich mal abzulegen.

Während ich mich noch mit den vielen Schubladen beschäftigte, in die ich den Profiberater Felix gesteckt hatte, klingelte mein Telefon.

Der Berater hatte eine wundervolle Stimme, war humorvoll und smart. Wir stellten schnell fest, dass wir gebürtig aus einer Ecke stammten. Wie entspannt er war. Wir telefonierten jeden Tag. Ich schämte mich schon fast, dass ich diesen tollen Mann in eine dunkle Schublade gesteckt hatte.

Felix sammelte regelrechte Beraterprämien bei mir. War er etwa mein Mr. Right? Dass er sich zum Beraterproleten entwickeln würde, ahnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. In den vielen Gesprächen erfuhr ich dann endlich und detailliert, wen er denn beriet. Fußballer, auf dem steilen Weg nach oben. Wen, wenn nicht Felix, brauchten sie an ihrer Seite, um erfolgreich zu werden, wie Messi& Co.? Felix verstand es, mal richtig jeden Tag eine Schippe drauf zu legen, was das Übertreiben anging.

Er war der Berater am Beraterhimmel. Alle Fußballvereine standen Schlange bei ihm. So wunderte es mich nicht, dass er natürlich in einem der Elbvororte hauste. Was für ein Elend!

Felix dachte in allen Lebensbereichen: Mehr ist mehr! So dauerte es auch nicht lange und ich bekam eine Serie von Bildern seiner Wohnung geschickt. Er war sehr stilvoll eingerichtet, keine Eiche Rustikal und 80iger Jahre Raufasertapete, die es in unserer Heimat, der ehemaligen DDR, in jeder Wohnung gab. Die Bilder sahen aus, als wenn Felix sie aus einem Katalog abfotografiert hatte. Fehlten nur noch die Preisschilder, dann wäre ich fast in eine Art Hormon- und Shoppingrausch verfallen.

Ich dachte nach: Job kannte ich, Wohnungsbilder hatte ich gesehen, fehlte nur noch? Richtig: das Auto.

Er hatte sich ein für einen Berater standesgemäßes Auto zugelegt. Felix hatte neben seinen vielen Autos nicht nur viele Frauen, sondern auch vier (Ehe) Ringe und jetzt passend zu dieser Tatsache ein Auto mit 4 Ringen zugelegt.

Das ist genau das, was die meisten von uns Frauen wissen wollen: Mein Haus, mein Auto, mein Pool. Ich brauchte keinen Versorger, sondern ein Berater für die wichtigen Dinge im Leben: Schuhe zum Beispiel. Davon können wir Frauen ja nie genug haben, dicht gefolgt von Taschen. ( einfach mal ein Klischee erfüllen) Ich wollte aber einfach meinen Beitrag zu seinem Vierring Auto leisten und erzählte auch mal etwas von mir.

Felix wusste ja noch gar nichts über mich, schien auch nicht so interessiert zu sein. Das wäre eigentlich die rote Karte für den Top Spielerberater von meiner Seite gewesen. Wenn er so seine Spieler berät, dann konnte das höchstens Kreisklasse werden, aber niemals auch nur ansatzweise Richtung eines namenhaften Vereins gehen. Aber ich hatte mir vorgenommen, ihn nicht gleich in eine Schublade zu stecken, in die er sich allerdings selbst hinein begeben hatte.

Es sollte aber immer so weiter gehen. Monolog, statt Dialog und protzen, bis die Schwarte kracht. Nur mal so am Rande, wir hatten uns bis dato noch nicht mal getroffen. Von meiner anfänglichen Euphorie und dem Gedanken, Beraterfrau zu werden, blieb nur der vergammelte Rasen nach einem Kreisligaspiel über. Ich bekam gratis noch Lebensweisheiten und eine Art Stilberatung.

„Du bist, was du hast. Mehr ist mehr. Je größer die Rolex, desto größer wird auch der Beraterhimmel und die Chance auf Betreuung für Topspieler", so meinte Felix.

Was suchte er eigentlich? Ich entfernte mich immer mehr von der Vorstellung, die ausgestellten Möbel in seiner Wohnung, die Rolexsammlung oder als Beraterfrau am Spielfeldrand bei einem Top Bundesligaspiel zu stehen. Status ist eh nie mein Ding gewesen, für Felix allerdings. Da ich eine blühende Phantasie habe, stellte ich ihn mir vor, nackt in seiner Designerwohnung stehend, nur mit der Rolex bekleidet vor dem Spiegel.

Er war sicher sein größter Fan, wenn er seinem Spiegelbild morgendlich zurief: „Geil, geil, du bist so super geil".

Ich weiß nicht, warum ich euch das alles so schreibe. In erster Linie natürlich dient es der Unterhaltung. Aber wenn man denkt, es kommt nicht schlimmer, dann wird man eines Besseren belehrt. Zur Erinnerung, wir hatten uns noch immer nicht gesehen, obwohl wir nicht so wahnsinnig voneinander entfernt wohnten. Felix stellte es so dar, als wenn wir Beide die Welt umrunden mussten, damit wir den Anderen sehen konnten. Dabei waren es lediglich 2 Bundesländer, die aneinander grenzten.

Nun gut, die Tage zogen so ins Land. Wir gingen mit Riesenschritten auf Weihnachten zu, aber nicht auf ein Treffen. Felix sparte nicht mit Komplimenten, was ich für eine tolle Frau, Mutter und sein Typ war. Wer hört das nicht gerne? Aber das geschriebene Wort ist ja immer ganz anderes als das gesprochene.

Ich dachte, dass Felix sich vielleicht eine Überraschung für Weihnachten ausdenken und wir uns in unserer alten Heimat treffen. Hatte ich doch noch die Aussicht auf ein Leben zwischen Rasen, riechenden Polyestershirts und Designerwohnung? Wollte ich dann man ländliches Leben zwischen atmen, Meditationen mit Fred- Roman und dem herabschauenden Hund aufgeben? Ich brauchte Bedenkzeit und Ruhe im Kreise meiner Familie. Während die Kerzen flackerten, das Räuchermännchen uns fast die Luft zum Atmen nahm, weil es gefühlt einen Joint rauchte, bekam ich eine Nachricht von Felix.

Er hatte mir ein Bild geschickt mit der Bemerkung: „Du warst nicht artig, du bekommst heute die Rute." Ihr könnt ihr euch sicherlich denken, welcher Anblick sich mir bot. Nein, ich hatte nicht danach gefragt, ich hatte den Besitzer noch nicht mal live und in Farbe gesehen.

Ich atmete ein, ich atmete aus.

Er hatte mir tatsächlich seine persönliche Berater Rute geschickt. Ich saß zwischen meinen Eltern und dem Rest der Familie und musste mir eine kahle Rute anschauen. Aber er hatte sie aufgewertet, mit einer Rolex, die sein Handgelenk zierte und schwarzen Socken.

Meine Antwort musste nicht lange warten. „Mensch Felix, hast du auch immer so kalte Füße? Versuche es mal mit Meditation oder kämpfe im Hotelzimmer mit der eingeklemmten Bettdecke. Da werden die Füße ganz schnell warm. Und schon brauchst du auch keine Socken mehr. Du warst wohl ziemlich artig, wenn dir eine Rolex geschenkt worden ist. Frohe Weihnachten und erkälte dich bloß nicht!"

Seine Berater Rute , die den Hauptteil des Bildes einnahm, erwähnte ich mit keiner Silbe. Was sollte ich dazu auch schreiben? „ Was für ein Elend?" Ich dachte nur, dass er mich sicher blockieren würden, weil ich mich für dieses Geschenk nicht bedankte. Stattdessen schickte er mir ein weiteres Bild, welches seine ganze Rolexsammlung zeigte. „Du darfst die Rolex auch gerne mal tragen."

Ah, ich dachte, er würde mir eine schenken. Stattdessen bot er mir eine getragene Uhr an, aber auch nur, wenn ich ihm als Dank für dieses großartige Angebot ein Foto von mir schicken würde, so wie ich mich zu ihm gesellen würde.

Ich zog meinen hässlichsten Frottee  Schlafanzug an, welcher einem Ganzkörperkondom glich und schrieb: „Keinen Bock auf dich! Niveau ist keine Creme. Behalte deine Rute und geh: Namaste!"

Darauf folgte der beleidigte Abzug des Beraters. Leider keinen Treffer versenkt lieber Felix!

Lasst euch niemals blenden, denn es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Bis ganz bald, wenn es die nächste Geschichte aus dem Dating Dschungel gibt.

Eure Sandra





Ihr Lachen bezaubert und ihre Fröhlichkeit steckt an.

An der Ostsee aufgewachsen, lebt die 48jährige Sandra Dibbern heute mit ihrer Tochter in Norderstedt bei Hamburg. Sie ist Flugbegleiterin/Purser aus Leidenschaft , Bloggerin und betreibt einen sehr erfolgreichen

Podcast „Döner & Tomatensaft“

Wie sie all das als alleinerziehende Mama schafft? In jedem einzelnen Blogbeitrag und Artikel ist sie spürbar: die pure Lebenslust, aus der diese Kraft kommen muss. In der Freundin schrieb Sie erfolgreich unter dem Pseudonym Ann-Kathrin viele lustige Geschichten aus dem Dating-Dschungel.

Wir freuen uns, dass wir Sandra begeistern konnten, exklusiv für unsere Mitglieder und Yogalifestyle Leser/in zu schreiben und heißen Sie in unserer großen Yogalifestyle Familie herzlich willkommen.