Yoga|Lifestyle
Magazin für bewusste und achtsame Lebensweisheit


Liebe Wünsche und Yoginis

Autorin: Sandra Dibbern | 30.07.2021

„Du musst mal etwas für Dich tun Sandra", sagte mir meine Wahrsagerin im Januar. „Mach Yoga, meditiere, fang an, dich selbst zu lieben!" Ja, ich gestehe, ich habe eine Kartenlegerin, eine Wahrsagerin, glaube, dass das Universum alles im richtigen Moment schickt, auch wenn es vielleicht schmerzhaft ist, so wie bei mir damals. Ich hatte mich bis dato nie mit Yoga und Meditation beschäftigt. Auf einer Mutter-Kind-Kur stand ich mal in einer Yoga Schnupperkurs Klasse und dachte schon nach dem „Sonnengruß", dass ich nur noch ein Mal grüße und zwar, wenn ich den Raum verlasse. Ich machte einfach keine gute Figur dabei. Es sah eher nach einem Hilferuf aus bei mir. Neben den Yogagirls, die sich gefühlt wie Schlangenmenschen verbogen, verdammt gut aussahen und offensichtlich auch gut fühlten, erblasste ich, weil meine Bandscheibe sagte: "Nö, du grüßt hier niemanden! Namaste, nimm deine Matte und geh!“

Jetzt, viele Jahre später wollte mir also meine Wahrsagerin klar machen, dass ich durch Yoga und meditieren endlich wieder meine Mitte finden würde? Ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt quasi von mir selbst entliebt.

Meine Seele war schwarz. Ich stand neben mir und beobachtete mich von außen.
Zum ersten Mal dachte ich, dass es mir vor allen Dingen wohl gut tun wird. Ich hatte mich selbst aufgegeben, mir tagelang die Augen aus dem Kopf geweint, weil ich wieder einmal verlassen worden war. Ich habe es selbst kommen sehen, aber wieder wollte ich die Signale, die Kanoneneinschlägen glichen, nicht wahrhaben.

Wie oft sagte mir mein Bauchgefühl: „Sandra, du bist die Übergangsfrau, du flickst seine Wunden, räumst die Großbaustellen auf, bevor er dich mit dem Räumfahrzeug überrollt und weg ist." Das Räumfahrzeug war dann wohl die Neue, jünger als ich. Ausgetauscht, am Telefon abserviert, nie wieder gemeldet. Der neue negative Trend wird auch Ghosting genannt. Ich denke, es ist vielen von euch bekannt. Ich möchte nicht damit sagen, dass die Männer die absoluten Ghosting- Profis sind. Auch wir Frauen können das sicherlich gut. Wir haben irgendwie verlernt, miteinander zu kommunizieren. Es ist ja auch einfach, unangenehme Sachen entweder in eine emotionslose Whats App ohne Emoji ( für uns Frauen schon das Zeichen, dass es etwas nicht stimmt) zu packen, oder jemanden einfach von jetzt auf gleich zu blockieren.

Eben wollten wir noch das Wochenende zusammen verbringen und erstellten den Essensplan, jetzt sehe ich kein Profilbild mehr von ihm. Willkommen im Jahr 2021. Ich atme ein, ich atme aus.

Das Jahr und Corona haben uns gezeigt, dass Worte am Ende des Tages nichts mehr wert sind, sondern nur Taten. Die Datingkultur hat sich verändert. Als ob es nicht schon schwierig genug ist als Single, jetzt sind die ganzen gescheiterten Paare wieder auf dem Markt, Männer und Frauen. Wir Frauen trauern meist länger, während Männer sich sofort in das nächste Abenteuer stürzen. Nur nicht reflektieren, mal in sich gehen, Zeit mit sich alleine verbringen oder eine Therapie machen. Ja, liebe Männer, das ist keine Schwäche, sondern eine Stärke, geschulte Menschen mal auf die Seele schauen zu lassen. Ihr dürft auch mal Schwäche zeigen, weinen und sagen, dass es euch nicht gut geht. Stattdessen wird sofort die nächste Frau auf einer Datingplattform gesucht. Im günstigsten Fall ist sie noch aus vergangenen Datingszenarien abgespeichert und wird aktiviert. Wenn sie anbeisst, wird dann schnell mit der aktuellen Freundin Schluss gemacht. Gern genommene Sätze. „Du bist so eine tolle Frau, aber ich kann dich einfach nicht lieben". Ah, hat er mir nicht kürzlich gesagt, jetzt ist unsere Zeit? Da war ich wohl nur der Zeitvertreib oder eben die Übergangsfrau oder einfach zu alt? Ja, die Wechseljahre klopfen vielleicht ab und an mal an, aber was ist denn mit den Männern? Midlife Crisis?

Die Haare werden grauer, lichter, sie suchen sich vielleicht plötzlich andere Wachstumsorte. Um von den Defiziten abzulenken, schaut Mann, wie der Markt bei den deutlich jüngeren Frauen aussieht. Nicht selten wird dann rasch noch ein Kind gezeugt, damit man(n) nicht alleine ist und zeigen kann: „Ja es geht noch, auch ohne blaue Pille oder sonstige Hilfsmittel. Ganz vergessen, das Cabrio muss auch noch her, wenn auch nur für eine kurze Zeit, denn bald muss man sich ja Gedanken machen, um den klassischen Familienvan für die Babyausstattung. Was wird da wohl alles gebraucht? Die letzten Babysachen wurden vielleicht vor 20 Jahren gekauft. Die Babys sind längst in der Welt unterwegs und studieren oder haben vielleicht schon ihre eigene Familie gegründet.

Ja, das passiert nicht nur mir, sondern vielen anderen Menschen auch. Während die Verlassenen längst in Vergessenheit geraten sind, an ihrem Selbstwert zweifeln, die Schuld bei sich suchen, sich Liebesschnulzen anschauen und beim Autofahren so heulen, dass sie rechts ranfahren müssen, weil ein gemeinsamer Song im Radio gespielt wird und wir Frauen um die Augen wie Pandas aussehen, weil die Mascara diesem See von Tränen nicht mehr standhalten möchte. Ja, währenddessen wird auf der anderen Seite schon wieder alles offiziell gemacht, aber eben nicht mehr mit uns.

Unser Parfum klebt noch am Autogurt, einige Haare erinnern vielleicht noch an uns. Ansonsten sind wir raus. 
Und jetzt sitze ich hier, schreibe diese Zeilen für dich/ euch und denke: „Das Leben ist schön, von einfach war nie die Rede". Alles hat im Leben seine Zeit und seinen Sinn, auch wenn wir ihn erst später entdecken. Die Liebe zu uns selbst ist wohl mit die wichtigste.

Ich lege mich jetzt wohl mal auf die Yogamatte, die schon vor Jahren in mein Haus eingezogen ist, aber eher als Ablage für Kleidung diente, als für meinen Körper.

Ich bin dankbar und gebe Yoga und Meditation noch mal eine Chance. 
Namaste! 









Ihr Lachen bezaubert und ihre Fröhlichkeit steckt an.
An der Ostsee aufgewachsen, lebt die 48jährige Sandra Dibbern heute mit ihrer Tochter in Norderstedt bei Hamburg. Sie ist Flugbegleiterin/Purser aus Leidenschaft , Bloggerin und betreibt einen sehr erfolgreichen
Podcast „Döner & Tomatensaft“

Wie sie all das als alleinerziehende Mama schafft? In jedem einzelnen Blogbeitrag und Artikel ist sie spürbar: die pure Lebenslust, aus der diese Kraft kommen muss. In der Freundin schrieb Sie erfolgreich unter dem Pseudonym Ann-Kathrin viele lustige Geschichten aus dem Dating-Dschungel. 

Wir freuen uns, dass wir Sandra begeistern konnten, exklusiv für unsere Mitglieder und Yogalifestyle Leser/in zu schreiben und heißen Sie in unserer großen Yogalifestyle Familie herzlich willkommen. 

Ihr habt Fragen, Anregungen oder Lust euch mit Sandra auszutauschen? Kontakt: sandra@yogalife-style.de